2016年10月3日 – 抱擁 – hōyō – Umarmung

Gegen Nachmittag verlasse ich die Wohnung, habe kein Ziel, möchte mir während des Spaziergangs zum U-Bahnhof überlegen, wohin ich fahre. Bereits nach wenigen Schritten kehre ich um, öffne das Schloss meines Fahrrads, das ich im Erdgeschoss geparkt habe, und mache mich auf den Weg. Als ich die Brücke überquere, weiß ich, wohin es mich zieht: zum Skytree. Nicht, weil ich hinauf will, sondern weil ich mir seine sonderbare Struktur von Nahem ansehen möchte.

 

 

Ich fahre am Ufer des Sumida entlang, wo ich ganz am Ende bereits den Turm sehe, doch ich komme nicht weit, der Weg hört irgendwann einfach auf. So setze ich mich erst einmal auf eine Bank, esse ein Sandwich, trinke Zitronenlimonade und blicke hinüber auf die Häuser, die den Fluss auf der anderen Seite säumen. Keine Fassade gleicht der anderen. Wie teuer der Baugrund sein muss, erkenne ich daran, dass die Gebäude meist schmal, aber hoch sind. Oft ist auf jeder Etage gerade einmal eine kleine Wohnung. Ich denke an die vier Türen, hinter denen sich auf jedem Geschoss vergleichsweise große Wohnungen befinden, dort, wo ich in Berlin lebe. Selbstverständlich komme ich auch mit den elf Quadratmetern meines jetzigen Apartments zurecht, aber es fehlt mir oft, dass ich meinem Bett nicht aus dem Weg gehen kann, Schlafen und Wachsein nicht räumlich voneinander getrennt sind, und ich manchmal das Gefühl habe, den Kopf einziehen zu müssen, weil die Decke so niedrig ist. Zuhause kann ich sie nicht einmal anfassen, wenn ich auf einer Leiter stehe, hier muss ich nur meinen Arm ganz nach oben präzise ausstrecken, mich nicht einmal auf die Zehen stellen, und die Spitze meines Mittelfingers berührt die Decke. Dennoch bezahle ich in Tokio erheblich mehr Miete.

Um zum Skytree zu gelangen, radle ich nun vorbei an Wohnblöcken, Supermärkten, Drogerien, winzigen Restaurants, Fast-Food-Ketten, Barber Shops, vor denen die typischen rot-blau-weißen Aufsteller rotieren, Konbinis. Da ich die meiste Zeit nicht auf der Straße fahren kann und den Gehweg nehme, komme ich nur langsam voran. Ich versuche, nicht daran denken, dass ich die ganze Strecke auch wieder zurück fahren muss, später, wenn es bereits dunkel ist. Mittlerweile habe ich den Skytree längst aus den Augen verloren, es sind viel zu viele Häuser im Weg. Ich fahre dennoch nur nach Gefühl, weil ich heute nichts planen möchte, weil es wichtiger ist zu fahren, unterwegs zu sein, mich und den Gegenwind zu spüren und die Augen offen zu halten.

Mein Rad scheppert über die schlechten Gehwege hinweg, über Fragmente jener gelben Markierungen für Menschen, die nicht sehen können. Ich atme die ganze Zeit aufmerksam, nehme den Geruch frittierter und gedünsteter Gerichte wahr, der aus den Konbinis strömt, den Duft von Waschpulver, wenn ich Drogerien passiere, das Rosenparfum einiger Damen, jene sonderbare Melange aus Fett-, Fisch- und Saucengeruch eines Takoyaki-Standes, den Gestank fischigen Wassers, wenn ich eine der vielen Brücken passiere, unter denen irgendein Arm des Sumida fließt.

Dann ist der Skytree auf einmal ganz nah. Ich merke nun, was ich an dem Turm so sonderbar finde: seine Hülle ist gemacht aus durchlässigen Stahlträgern, die jedoch eine kompakte Form simulieren. Er ist Teil eines Einkaufszentrums, in dessen Kellergschoss ich mein Fahrrad parken kann. Mit der Rolltreppe gelange ich in die zweite Etage, wo sich hauptsächlich Feinkoststände aneinander reihen. In den letzten fünf Monaten habe ich vermutlich so viele von ihnen gesehen wie die gesamte Zeit meines Lebens zuvor. Ich fühle mich an diesen Orten fremd wie im KaDeWe, wo ich ebenfalls nicht hingehöre mit meinen ausgelatschten Schuhen und den Kleidern vom Schlussverkauf. Ich lausche den Fischhändlern, die ihre teure Ware anpreisen, bewundere ein paar Pralinendamen in ihren farbenfrohen Uniformen, die sie aussehen lassen wie Stewardessen im Auftrag von Willy Wonka, und ignoriere trotz knurrendem Magen sämtliche Köstlichkeiten.

Obwohl ich ganz sicher nicht auf den Skytree hinauf möchte, folge ich fast zwanghaft dem Schild, das mich zur Kasse führt. Als ich eine Rolltreppe hinab fahre, erfahre ich den Grund: vor mir liegt das Mumin-Café, das ich völlig vergessen hatte, aber irgendwann eimal besuchen wollte. Ich denke an Artikel mit Fotos von Menschen, die alleine an einem der Cafétische sitzen, ihnen gegenüber hockt lediglich ein riesiger Mumin aus Plüsch. Ich mochte die Bilder, doch gleichzeitig machten sie mich auch traurig: Einsamkeit und Verzweiflung steckten in ihnen.

Im Café ist noch genau ein Tisch frei. Ich muss mich mit der Bestellung jedoch gedulden, da zuerst ein Event stattfindet, bei dem ein Mumin-Maskottchen das Restaurant betritt und vor allem die anwesenden Kinder erfreut. Ich bin die Einzige, an deren Tisch kein Plüsch-Mumin sitzt – dabei bin ich die einzige Person, die ganz alleine gekommen ist. Bevor das Maskottchen wieder geht, werde ich dazu aufgefordert, mich gemeinsam mit ihm fotografieren zu lassen. Ich finde das ein wenig albern, doch ich will nicht unhöflich sein und so gehe ich auf den Mumin zu, sage こんにちは · konnichiwa und habe keine Ahnung, wie der Mensch unter dem Kostüm überhaupt etwas sehen kann, denn es ist nirgendwo eine Öffnung. Wir posieren, währen die Bedienung mit meinem Telefon ein paar Fotos macht. Dann nimmt der Mumin mich in den Arm und ich bin erschreckend gerührt, merke, wie meine Augen auf einmal leuchten – Umarmungen sind eine Rarität für mich geworden. Zum Abschied drückt das Maskottchen ganz fest meine Hände und beschämt gehe ich zurück an meinem Platz. Wenige Minuten später setzt die Bedienung einen Mumin zu mir an den Tisch. かわいい · kawaii · niedlich sage ich lächelnd, und werde zu einer dieser Fotografien aus dem Internet.

 
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2016年9月23日 – エレベーターとエスカレーター – erebeeta to esukareetaa – Aufzug und Rolltreppe

Sowohl beim Aufzugfahren als auch bei der Benutzung von Rolltreppen gibt es in Japan offenbar ungeschriebene Gesetze. Es versteht sich nämlich von selbst, dass die eine Rolltreppenseite zum Stehen und die andere zum Gehen gedacht ist. Theoretisch gibt es dieses Konzept auch in Deutschland, doch die Realität sieht dort oft anders aus und ich kenne offenbar sogar jemanden persönlich, der sich darüber hinwegsetzt: Vor ein paar Tagen holte ich Besuch aus Deutschland vom Flughafen ab, der sich auf einigen Rolltreppen, die wir auf unserem Rückweg nutzten, reflexhaft neben mich stellen wollte.

Wenn hier Menschen zum Beispiel aus der U-Bahn aussteigen, begeben sie sich in Richtung Rolltreppe und jene, die die Rolltreppe auf der linken Seite stehend benutzen möchten, bilden eine Schlange und warten, bis sie an der Reihe sind, die Rolltreppe zu betreten. Manchmal ist die Schlange sogar so lang, dass sie sich erst einmal von der Rolltreppe hinfort bewegt und dann irgendwo eine 180-Grad-Wende macht. Dennoch drängelt sich so gut wie niemand vor und schon gar nicht stellt sich jemand auf die rechte Seite der Rolltreppe, denn dieser Platz ist für jene reserviert, die es eilig haben und zu Fuß gehen wollen. Ich bin sehr dankbar für diese freien Durchmarsch und stehe nur selten links.

Es wird eine Herausforderung für mich sein, wieder mit den Berliner Rolltreppen-Verhältnissen zurecht zu kommen, an denen sich sehr gut ablesen lässt, wie wenig rücksichtsvoll die Menschen im Alltag miteinander umgehen.

Damit an Bahnhöfen auch auf der normalen Treppe und den Gängen kein Chaos entsteht, gibt es sogar ein paar geschriebene ‚Gesetze‘, denn es ist in der Regel vermerkt, auf welcher Seite es hinauf und auf welcher hinab geht, wo man entlang zu gehen hat. Auch hier halten sich die meisten Menschen daran.

 
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Das ungeschriebene Aufzuggesetz ist subtiler und gewiss vernachlässigbar, doch es ist für mich ein Symbol dafür, dass es den meisten nicht egal ist, ob sie anderen behindern und ihnen auf die Nerven gehen. In Deutschland haben viele Aufzüge lediglich einen Knopf, mit dem man die Türe während des automatischen Schließvorgangs wieder öffnen oder sie von Anfang an offen halten kann. In Japan gibt es in jedem Aufzug immer auch einen Knopf, um die Türe zu schließen.

Wer zuerst in den Aufzug einsteigt, legt bei einem kleinen Aufzug schonmal die Hand auf die eingezogene Türe, damit diese geöffnet bleibt, oder drückt sofort nach dem Einsteigen auf den OFFEN-Knopf, bis alle eingestiegen sind.

Jene Person, die dem Bedienfeld am nächsten steht, ist nun dafür zuständig, bei einem Halt den OFFEN-Knopf zu drücken, bis alle aus- und eingestiegen sind, und dann den SCHLIESSEN-Knopf zu drücken, damit es schnell weitergeht. Das bedeutet jedoch nicht, dass gerade erst herbei eilenden Menschen der Eintritt verwehrt wird. Zumindest habe ich dieses Verhalten noch nicht beobachten können – in Berlin kam das jedoch schon häufiger vor. Und dass sich hier im Aufzug niemand laut unterhält, ist auch selbstverständlich. Die Welt ist schließlich schon anstrengend genug.

2016年9月18日 – 日曜の夕方 – nichiyō no yūgata – Sonntagabend

Von draußen ertönt das elektronische Big-Ben-Geräusch – ich weiß nicht, ob es zur Firma gegenüber gehört und den Feierabend signalisieren soll, der vermutlich so gut wie nie eingehalten wird. Sogar heute, am Sonntag, sind viele Büros besetzt, ich sehe es an den Lichtern, und manche Räume sind selbst nachts erhellt.

Es ist also schon siebzehn Uhr, denke ich, und stehe endlich auf, weil ich mir vorgenommen habe, nicht auch heute in der Wohnung zu bleiben. Die familiären Dinge zuhause werfen mich aus der Bahn, jeden Tag muss ich mich auf Neue zwingen, die Sehnsucht nach Rückzug zu überwinden. Als ich nach der schweren Luftpumpe unterm Bett greife, weiß ich nicht, was ich draußen eigentlich machen soll.

Ursprünglich wollte ich heute zu einem 祭り · matsuri · Fest mit anschließender Stadtteilführung in Nezu, einer meiner liebsten Gegenden in Tokio. Doch ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen und bei diesen Schreinfesten sind immer viel zu viele Menschen. Mir war auch nicht danach, übermüdet in einer Gruppe von 30 Leuten einer Frau mit Schirm hinterher zu trotten und währenddessen sinnlose Konversation zu betreiben. Ich führe seit Monaten immer die gleichen Gespräche: Wo kommst du her? Wie lange bleibst du noch hier? Was ist dein Beruf? Es wird nie mehr daraus, obwohl anschließend immer die Frage gestellt wird, ob man LINE verwende – das ist der Messenger, der hier mit Abstand am weitesten verbreitet ist. Dann fügt man sich gegenseitig als neuen Kontakt hinzu, um sich anschließend meist nie wieder zu schreiben. Ich mache dabei nur noch aus Höflichkeit mit, frage nie selbst. Mittlerweile finde ich die schwierigen Berliner Kennenlern-Zustände geradezu paradiesisch. Ich war hier zu Beginn sehr offen, in der Schule war ich jedoch die Einzige, die in den Pausen Smalltalk betrieb und nach Sprachaustauschtreffen war ich die, die Vorschläge, einmal gemeinsam etwas zu unternehmen, fälschlicherweise ernst nahm.

Ich habe in Tokio eine einzige engere Bekannte. Sie ist Britin, so alt wie ich, führt jedoch ein ganz anderes Leben, mit zwei Kindern und einem Mann, der im Finanzsektor arbeitet. Sie wohnt bereits seit zwei Jahrzehnten hier und spricht kaum besser Japanisch als ich. Kennengelernt haben wir uns in der Sprachschule. Sie war die erste und einzige offene, herzliche Person, die ich dort traf. Zuletzt sahen wir uns im Tokyo American Club – eine Parallelwelt für mich – und unterhielten uns vier Stunden lang über das Erdbeben vor fünf Jahren, den Brexit und Angela Merkel. Zurzeit ist sie in London, wird jedoch im Oktober wieder zurück sein, und wir wollen gemeinsam ein paar Ausflüge unternehmen, bevor ich wieder nach Deutschland fliege.

Fürs Museum ist es zu spät und zum Spazierengehen bin ich zu erschlagen, deshalb gehe ich ins Erdgeschoss, um Luft in die Reifen meines Fahrrads zu pumpen. Ein Franzose kommt auf mich zu, hält mir einen Brief unter die Nase und fragt, ob ich wisse, wer die Person im Adressfeld sei. Ich kenne hier niemanden, sage ich. Ich auch nicht, antwortet er, Ich bin ja erst seit letztem Monat hier. Geht mir genau so, sage ich und denke, dass er vermutlich auch in einem halben Jahr nicht mehr Leute hier im Haus kennen wird. Die meisten grüßen nicht einmal. Ich sage dennoch immer sehr freundlich Hey!, wenn mir jemand auf dem Gang oder im Waschsalon begegnet. Aus Protest.
Als ich zurück gehe, um die Luftpumpe wieder unters Bett zu schieben und meine Tasche zu holen, sitzt ein Nachbar auf der Treppe und spielt irgendwas auf seinem Tablet. Hey! sage ich. Der Nachbar sagt nichts und ich ziehe eine Grimasse hinter seinem Rücken.

Selbst als ich fünf Minuten später auf dem Rad sitze, weiß ich nicht, wohin ich fahren soll, und mache mich der Einfachheit halber auf den Weg zum nahe gelegenen 隅田川 · sumidakawa · Sumida Fluss. Die Aussicht ist wie immer atemberaubend. In der einen Richtung blicke ich auf den Skytree, in der anderen schaue ich auf Massen an Hochhäusern, die sich bis zum Horizont erstrecken. Es wird bereits dunkel und einige Lichter funkeln schon.

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Ich denke über die Menschen in den Hochhäusern nach. In Deutschland wären diese Stadtteile vermutlich sogenannte Problembezirke wie Marzahn oder Hellersdorf in Berlin, Chorweiler oder der Kölnberg in Köln. Weil ich ahne, dass dem hier nicht so ist, will ich mir die Gegend um die besonders imposanten Hochhäuser und die Brücke, die dorthin führt, aus der Nähe ansehen. Und tatsächlich: am Fuß der Gebäude befinden sich hell erleuchtete Restaurants, die Namen tragen wie Chez Moi und alles wirkt eher nobel. Vermutlich ist die Miete der Wohnungen sehr hoch, weil sie direkt am Fluss liegen und eine großartige Aussicht bereit halten.

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Trotz Fahrradverbots radle am Fluss entlang wieder zurück, dann vorbei an meiner Wohnung, am U-Bahnhof, zu jenem Bereich meines Stadtteils, in dem sich die Tempel und somit viele kleine, altmodische Geschäfte und Restaurants befinden. Tagsüber sind hier viele Menschen unterwegs, doch nun ist es recht leer und ich genieße die Abendstimmung. Mein Blick ruht besonders lange auf den verschiedenen 鳥居 · Torii, die man in der Dunkelheit leicht übersehen kann.

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Weil ich sehr lange an einer roten Ampel warten muss, biege ich kurzerhand links ab und gelange in eine Gegend mit noch mehr kleinen, zum Teil sehr teuren Restaurants. Als ich an einem 焼き鳥屋 · yakitorya · Grillhähnchenrestaurant vorbeikomme, das Smile heißt, beschließe ich, dort zu essen. Beim Yakitori werden allerlei Bestandteile des Huhns auf Spieße gesteckt, gegrillt und währenddessen oder danach mit verschiedenen Saucen bestrichen. Ich bekomme eine japanische Karte und soll auf einem Zettel in den entsprechenden Zeilen meine Bestellungen eintragen. Ich benötige dafür ziemlich lange, schließe besonders unangenehme Körperteile wie zähe Darmstücke aufgrund der Optik aus, denn ich lag beim Yakitori schon einige Male daneben. In der Zwischenzeit esse ich bereits von dem Kohl der mir, gewürzt mit einem köstlichen Sesamdressing, unaufgefordert als Vorspeise gereicht wurde. Ich bereite mittlerweile häufig rohen Kohl zu und frage mich, wieso wir das in Deutschland nicht auch tun. Im Gegensatz zu banalem Salat hat er einen intensiveren Geschmack und ist weitaus knackiger.

Ich mag die Atmosphäre hier. Wie in vielen, eher rustikaleren Restaurants begrüßen die Köche neue Gäste mit einem lauten, tiefen いらっしゃいませ · irasshaimase · Willkommen, wobei das E am Ende sehr in die Länge gezogen wird und die anderen Köche dann meist noch mit einstimmen. Ich lächle bei jedem neuen いらっしゃいませ-Kanon.

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Zum Glück hat das Restaurant einige, bis zum Boden geöffnete Fenster, denn wie fast überall ist es auch hier gestattet zu rauchen. Ich kann mich nicht daran gewöhnen, dass sich Menschen direkt neben mir Zigaretten anzünden während ich esse. Neulich bin ich aus einem Ramen-Restaurant wieder hinaus gegangen, weil dort ein Mann rauchte, obwohl das im ganzen Restaurant eigentlich verboten ist. Er hatte sogar einen Aschenbecher vor sich stehen. Erst kürzlich wurde aber auch in Japan wissenschaftlich nachgewiesen, dass Passivrauchen schädlich ist. Ein Rauchverbot in Restaurants ist also sicher nur noch eine Frage der Zeit.

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Nach einer Stunde betrete ich wieder die Straße. Alles ist nass, denn es hat in der Zwischenzeit geregnet, wie so oft in diesen Tagen. Draußen stehen dennoch ein paar Männer, verteilen Flyer und wollen Gäste mit Hilfe von auffordenden Rufen in ihre Restaurants locken. Das ist ziemlich normal, auch vor Geschäften preist häufig jemand Waren an. Oft sind es Frauen, und sie sprechen dann mit einer antrainierten, viel zu hohen Stimme. Mein australischer Bekannter hat eine Freundin, die in Australien Stadtrundfahrten für Menschen aus Japan machte und dabei auch mit solch einer Stimme sprechen musste. Das ging solange gut, bis sie Polypen auf den Stimmbändern bekam. Danke, ich habe schon gegessen, sage ich im Vorbeifahren, atme die kühle Luft ein und freue mich über die Regentropfen im Gesicht.