2014年10月24日***

Es gibt hier Purikura – Fotoautomaten, deren Ziel es ist, auf den Bildern möglichst ’schön‘ und niedlich auszusehen. Man kann aus unterschiedlichen Modi, Hintergründen und Verzierungen wählen, um am Ende gleich mehrere Bilder von sich zu haben, auf denen es den Anschein hat, man sei 10 bis 20 Jahre jünger.

Ich mag meine Manga-Augen.

2014年10月24日**

Ich treffe mich mit Teruko am Hachikō-Ausgang in Shibuya, um Sushi essen zu gehen. Als sie mich fragt, wie mein Tag war, habe ich schon wieder Tränen in den Augen. Um uns herum sind mehr als tausend Menschen und ich schäme mich für meine Unkontrolliertheit.

Wir müssen zum Glück nicht weit gehen und fahren mit dem Aufzug bis in den achten Stock eines Hochhauses. Dort ist das Restaurant, vor dem etwa 40 Personen warten. Sie sitzen auf Stühlen, die sich den Gang entlang schlängeln und wir stellen uns an. Am Ende der Schlange sind nämlich nicht einmal mehr Stühle verfügbar.

Es ist hier völlig normal vor Restaurants anzustehen oder -zusitzen – auch in diesem Ausmaß – und es geht erstaunlich schnell voran. Als wir endlich drinnen Platz nehmen, gehen mir die Augen über: auf dem Sushi-Band wird so viel Köstliches transportiert und dann können wir auch noch Zettel ausfüllen und alles von der Karte bestellen.

Gleich bei meinem ersten Sushi passiert es: der Reis zerfällt in der Soja-Soße. Teruko erklärt mir dann, dass Sushi auch nicht so gegessen wird. Stattdessen taucht man entweder mit den Stäbchen den Ingwer in die Soße und bestreicht damit das Sushi – oder man nimmt den Fisch vom Reis und tunkt diesen kurz in die Soße. Der Soße Wasabi zuzufügen, ist allerdings völlig ok. Man kann den Rettich aber auch direkt aufs Sushi geben.

Ich kann mittlerweile leider überhaupt nicht mehr mit Stäbchen essen, weil ich weiß, was ich falsch mache und mich nun so dabei verkrampfe, es richtig zu machen. Wenn ich zu Hause bin, werde ich mich zwingen, alles unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Stäbchen zu essen, damit es beim nächsten Japan-Besuch klappt.

Als wir fertig sind mit Essen, kommt der Ober und hält einen Scanner an unsere Tellerstapel, denn die Teller sehen je nach Preis unterschiedlich aus. Als sei jeder Stapel ein Barcode, wirft der Scanner anschließend die richtigen Preise aus. Ich kaufe an der Kasse außerdem noch Matcha für zu Hause.

Du siehst so glücklich aus! stellt Teruko draußen auf der Straße fest. Ja, das bin ich auch. Zumindest in diesem Moment.

2014年10月24日*

Als ich morgens aufstehe, scheint zum Glück die Sonne. Trotzdem ist heute ein schlimmer Tag: ich weine beim Frühstücken, ich weine beim Duschen und ich weine beim Anziehen. In diesem Zustand das Haus zu verlassen, ist ziemlich anstrengend und mein Kopf fühlt sich vergrippt an.

In der Yamonate-Line muss ich schon wieder weinen. Ich versuche, dabei das Gesicht nicht zu verziehen, tupfe stoisch die Tränen fort und tue möglichst unbeteiligt. Mir ist außerdem total schlecht.

Ich weine nicht, weil ich aus Tokio fort muss. Das ist zwar traurig, aber das kann ich ertragen und spornt mich an, Pläne für eine Zukunft hier zu schmieden. Ich weine, weil ich bereits kurz nach meiner Ankunft hier gemerkt habe, in welch schädlichem Ausmaß mir jener Alltag in Berlin zusetzt, den ich mir seit Monaten schönrede. In den letzten drei wundervollen Wochen habe ich es vermieden, darüber nachzudenken. Nun aber ist es Zeit, mich mit dem Verdrängten auseinandersetzen und das macht mir große Angst.

Um mich wieder zu beruhigen und vor allem, um mich von Tokio zu verabschieden, fahre ich mit der Yurikamome-Line ein Mal in jede Richtung. Ich finde keine Worte für jenes überwältigende Gefühl, das diese Fahrt bei mir auslöst.

*

Als ich später wieder in der Bahn in Richtung Shinjuku sitze, trage ich einen Mundschutz. Damit weint es sich nämlich nur halb so unangenehm in der Öffentlichkeit.