2016年9月23日 – エレベーターとエスカレーター – erebeeta to esukareetaa – Aufzug und Rolltreppe

Sowohl beim Aufzugfahren als auch bei der Benutzung von Rolltreppen gibt es in Japan offenbar ungeschriebene Gesetze. Es versteht sich nämlich von selbst, dass die eine Rolltreppenseite zum Stehen und die andere zum Gehen gedacht ist. Theoretisch gibt es dieses Konzept auch in Deutschland, doch die Realität sieht dort oft anders aus und ich kenne offenbar sogar jemanden persönlich, der sich darüber hinwegsetzt: Vor ein paar Tagen holte ich Besuch aus Deutschland vom Flughafen ab, der sich auf einigen Rolltreppen, die wir auf unserem Rückweg nutzten, reflexhaft neben mich stellen wollte.

Wenn hier Menschen zum Beispiel aus der U-Bahn aussteigen, begeben sie sich in Richtung Rolltreppe und jene, die die Rolltreppe auf der linken Seite stehend benutzen möchten, bilden eine Schlange und warten, bis sie an der Reihe sind, die Rolltreppe zu betreten. Manchmal ist die Schlange sogar so lang, dass sie sich erst einmal von der Rolltreppe hinfort bewegt und dann irgendwo eine 180-Grad-Wende macht. Dennoch drängelt sich so gut wie niemand vor und schon gar nicht stellt sich jemand auf die rechte Seite der Rolltreppe, denn dieser Platz ist für jene reserviert, die es eilig haben und zu Fuß gehen wollen. Ich bin sehr dankbar für diese freien Durchmarsch und stehe nur selten links.

Es wird eine Herausforderung für mich sein, wieder mit den Berliner Rolltreppen-Verhältnissen zurecht zu kommen, an denen sich sehr gut ablesen lässt, wie wenig rücksichtsvoll die Menschen im Alltag miteinander umgehen.

Damit an Bahnhöfen auch auf der normalen Treppe und den Gängen kein Chaos entsteht, gibt es sogar ein paar geschriebene ‚Gesetze‘, denn es ist in der Regel vermerkt, auf welcher Seite es hinauf und auf welcher hinab geht, wo man entlang zu gehen hat. Auch hier halten sich die meisten Menschen daran.

 
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Das ungeschriebene Aufzuggesetz ist subtiler und gewiss vernachlässigbar, doch es ist für mich ein Symbol dafür, dass es den meisten nicht egal ist, ob sie anderen behindern und ihnen auf die Nerven gehen. In Deutschland haben viele Aufzüge lediglich einen Knopf, mit dem man die Türe während des automatischen Schließvorgangs wieder öffnen oder sie von Anfang an offen halten kann. In Japan gibt es in jedem Aufzug immer auch einen Knopf, um die Türe zu schließen.

Wer zuerst in den Aufzug einsteigt, legt bei einem kleinen Aufzug schonmal die Hand auf die eingezogene Türe, damit diese geöffnet bleibt, oder drückt sofort nach dem Einsteigen auf den OFFEN-Knopf, bis alle eingestiegen sind.

Jene Person, die dem Bedienfeld am nächsten steht, ist nun dafür zuständig, bei einem Halt den OFFEN-Knopf zu drücken, bis alle aus- und eingestiegen sind, und dann den SCHLIESSEN-Knopf zu drücken, damit es schnell weitergeht. Das bedeutet jedoch nicht, dass gerade erst herbei eilenden Menschen der Eintritt verwehrt wird. Zumindest habe ich dieses Verhalten noch nicht beobachten können – in Berlin kam das jedoch schon häufiger vor. Und dass sich hier im Aufzug niemand laut unterhält, ist auch selbstverständlich. Die Welt ist schließlich schon anstrengend genug.