2014年10月23日****

Für Außenstehende mag es schwer vorstellbar sein, wie unangenehm es sich hier anfühlt, in der Öffentlichkeit einen Hustenanfall zu haben. Das viele Gehen, Schwitzen und die ständigen Temperaturwechsel sorgen dafür, dass ich ausgerechnet in der Bahn immer wieder Asthma-Anfälle bekomme, bei denen auch kein Spray hilft. Deshalb fiel irgendwann die Entscheidung, mir ganz unironisch solch eine Maske anzuziehen.

Es ist mit meiner Brille etwas unpraktisch, da sie schnell beschlägt, wenn die Maske um meine Nase herum nicht ordentlich abschließt. Es ist aber tatsächlich ein sehr erleichterndes Gefühl, dadurch mit meinen Hustenanfällen auch in der Öffentlichkeit für mich zu sein.

Ob ich das in Berlin auch einmal so tragen werde, wenn ich stark erkältet bin oder alle um mich herum krank sind?

2014年10月23日***

Abends treffe ich mich mit Wataru. Ich habe mir den Besuch eines Okonomiyaki-Restaurants gewünscht und er hat eines in Shinjuku ausgesucht, das Okonomiyaki im Hiroshima-Stil anbietet. Das ist super, denn ausgerechnet dort habe ich keines gegessen, dabei ist dieses sehr speziell, weil der Kohl nicht mit Teig vermengt wird und weil zusätzlich auch noch Soba-Nudeln mit angebraten werden.

Da es im Restaurant voll ist, tragen wir uns in die Warteliste ein und setzen uns draußen auf ein paar Stühle. Direkt gegenüber ist ein Dosen-Restaurant. Dort bekommt man offenbar alles in Büchsen serviert. Die Leute im Fenster sehen fröhlich aus – ich kann mir das bei dieser Art von Essen allerdings kaum vorstellen.

Es dauert höchstens zwanzig Minuten, bis wir hinein können und direkt an der heißen Zubereitungsplatte sitzen dürfen. Ich kann mich gar nicht sattsehen daran, wie die Okonomiyakis hergestellt werden. Wir bestellen zwei unterschiedliche Varianten, deren Namen ich mir nicht merken kann, da alles auf der Karte für mich nicht lesbar ist und ich mich auf Wataru verlasse.

*

Bevor sich später am Bahnhof von Shinjuku unsere Wege trennen, gehen wir dort noch in eine Kneipe, die BERG heißt. Es gibt hier sogar Weißwurst und ich muss erst einmal erklären, dass ich das eigentlich erst zwei Mal in meinem Leben gegessen habe. Es ist schon sehr deprimierend, dass das Bairische immer als einziger deutscher Export herhalten muss. Spätzle wären doch auch mal was. Oder Flammkuchen. Ich bestelle ein Edelpils und finde mich dabei albern. Wieso gibt es bei uns eigentlich keine gerösteten Bohnen als Snack?

*

Lass uns irgendwann einmal wiedersehen, sagt Wataru, als wir zu unserem Bahnsteig gehen. Sein Zug fährt auf der einen, meiner auf der anderen Seite. Ich bin ziemlich ergriffen, weil das mein vorletzter Abend ist und weil ich mir fest vorgenommen habe, bald wiederzukommen. Es ist sonderbar, sich hier nun so förmlich zu verabschieden. Weil wir bereits vor zwei Wochen über Umarmungen gescherzt haben, verhalte ich mich dann völlig entgegen der japanischen Etikette: ich nehme Wataru auf dem vollen Gleis der Yamanote-Line in den Arm und es ist offensichtlich okay. Wir lachen beide etwas unbeholfen und ich steige ohne mich noch einmal umzusehen in meinen Zug.

Das ist das vorletzte Mal, dass du abends diesen Weg nach Hause gehst, denke ich unfassbar traurig und müde.

2014年10月23日**

Nach dem Fischmarkt gehen wir in einem angrenzenden Park spazieren. Es sind kaum Menschen dort, obwohl es nun immerhin aufgehört hat zu regnen. Es ist ganz schön trostlos, aber es tut gut, die frische Luft einzuatmen, das Grün zu sehen und nur in der Ferne das Rauschen der Autos wahrzunehmen. Die Stimmung ist nicht besonders gut, denn es ist unser letzter gemeinsamer Tag. Außerdem ist mir seit heute morgen wieder bewusst, welcher Alltag mich zu Hause erwartet. Bereits beim Sushi-Essen trieb mir der Gedanke daran Tränen in die Augen.

Im Park gibt es ein Teehaus. wo wir Matcha-Tee trinken. Die Tee-Zeremonie als solches wird leider hinter verschlossenen Schiebetüren praktiziert. Aber wir bekommen genau erklärt, wir wir den Tee zu trinken haben und damit wir es nicht vergessen, reicht man uns sogar eine laminierte Erklärung.

Danach machen wir noch einen letzten Rundgang durch den Park und verabschieden uns ausgerechnet auf einer der schäbigen Fußgängerüberführungen, die es hier an vielen großen Kreuzungen gibt. Wir sehen uns in Berlin! sage ich, als wäre es etwas Besonderes. So wie ich vor fünf Wochen sagte: Wir sehen uns in Tokio! Es war schön, hier ab und zu eine Gefährtin zu haben.