2016年8月15日 – 猫休み – nekoyasumi – Katzenpause

Die letzten Tage war es so heiß, dass ich mich kaum nach draußen traute. Bereits der kurze Gang zur U-Bahn erschöpfte mich so sehr, dass ich mehr als zwei Stunden in einem klimatisierten Raum benötigte, um mich zu regenerieren. Leider musste ich meist vorher schon wieder hinaus in die Hitze, so dass mich ständig mein Kreislauf im Stich ließ und der Kopf schmerzte.

Hinzu kam eine den Kakerlaken geschuldete Anspannung, die dazu führte, dass ich am Sonntag im Park sogar zusammenzuckte, als sich mir eine einzelne, harmlose Taube näherte. Dabei bin ich in zwei Wochen lediglich drei normalen Kakerlaken und ein paar winzigen Babys begegnet. Und jenen Tieren, die in eine meiner Fallen geraten waren, die mittlerweile zum Glück alle leer bleiben, weil hoffentlich die Giftköder und ein paar olfaktorische Maßnahmen wie Pfefferminzöl und Lavendelspray greifen. Auch wenn meine Wohnung nun zeitweise riecht wie ein riesiger Kaugummi.

Es ist also vielmehr Suspense als die eigentliche Konfrontation mit den Tieren, die mich so nervös macht. Daran kann ich arbeiten und ich bin heute zum Glück schon entspannter. Außerdem lässt die Hitze etwas nach, so dass ich bei um die 30 Grad endlich wieder einigermaßen funktioniere und mich fortbewegen kann, ohne ständig Ogott. Ogott. Ogott zu denken.

 
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Mit der U-Bahn fahre ich bis nach Nihonbashi, um dort im obersten Stockwerks des edlen Takashimaya-Kaufhauses die ねこ休み展 – nekoyasumiten – Katzenpausen-Ausstellung zu besuchen. Eine Zusammenstellung der besten Bilder aller bisherigen Ausstellungen mit diesem Titel, die sonst in einer Galerie stattfinden.

Zu sehen gibt es Unmengen von Katzenfotos verschiedener Künstler und Künstlerinnen Japans und es ist, als beschritte man andächtig einen real gewordenen Instagram-Stream. Es macht allerdings einen großen Unterschied, ob man die Bilder mal so nebenbei im Internet ansieht, oder sie groß aufgezogen, als papiernes Foto anschauen kann. Ich mag es sehr, dass den Katzenbildern durch die Art der Präsentation genau die gleiche Wertschätzung beigemessen wird wie der künstlerisch vermeintlich hochwertigeren, intellektuelleren Fotografie.

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Ich habe meine Katzen nun fast vier Monate lang nicht gesehen und in dieser Zeit allenfalls einmal Terukos Hund gestreichelt. Mit Katzen zusammen zu leben bedeutet aber nicht nur weiches Fell, sondern auch, den Tieren zuzusehen, wenn sie jagen, spielen, schlafen oder sich putzen. All dies hat auf mich eine sehr beruhigende Wirkung und in der Ausstellung kann ich das ein wenig nachholen. Ich erkenne in den Gesichtsausdrücken, Haltungen und Sprüngen der abgebildeten Tiere auch meine Katzen, und ich bin nicht die Einzige, die nur zu gerne eines der Tiere auf den Fotografien streicheln würden. Ich sehe Menschen, deren Hände Kraulen andeuten und fast alle berühren das Fell der riesigen Plüschkatze, die in der Ecke eines Raume liegt, um jenes Bedürfnis zu kompensieren.

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Ich nehme an, die wenigstens Menschen hier haben eine Katze zuhause und blicken aus diesem Grund ähnlich sehnsuchtsvoll wie ich auf all die Fotografien. Es gibt sogar eine kleine Leinwand, vor der Stühle aufgebaut sind. Dort sitzen wir gemeinsam und schauen Katzenvideos an, zum Teil hochkant gefilmt. So wie die meisten der Bilder, handelt es sich um Internetkunst, die ich auf diese Weise dennoch ganz anders wahrnehme. Ich bin hier auch weniger abgelenkt und lache gemeinsam mit den anderen über ein paar besonders lustige Szenen.

Ziemlich lange sitze ich da, genieße meine Katzenpause und bin anschließend so ausgeglichen, dass ich im Verkaufsraum keines der vielen mit Katzen geschmückten Utensilien begehre.

 

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