2016年6月17日 – 靴 – kutsu – Schuhe

Auch in Deutschland treffe ich immer mal wieder auf Haushalte, wo in der Wohnung keine Straßenschuhe getragen werden. Früher hing manchmal sogar ein riesiger Filzpantoffel im Flur oder im Treppenhaus, der zur Aufbewahrung kleinerer, echter Filzpantoffeln diente. So konnte man als Gast entweder auf Socken die fremde Wohnung betreten oder sich ein Paar Hausschuhe ausleihen.

Auch hier in Tokio stehen am Eingang Hausschuhe für Gäste bereit, denn das Betreten der Wohnung mit Straßenschuhen ist nicht nur ungern gesehen, sondern absolut tabu. Ich habe meine eigenen mitgebracht, bin in der Wohnung aber die meiste Zeit barfuß, weil wir so einen schönen Holzboden haben und mein Zimmer mit Tatami-Matten ausgelegt ist, auf denen ich sehr gerne gehe.

Beinahe alle meine mitgebrachten Straßenschuhe sind flach und simpel, ich kann problemlos hinein und hinaus schlüpfen. Lediglich das Schnüren der rosa Doc Martens, im Flur stehend, mit gebeugtem Rücken, verlangt mir ein wenig Arbeit ab. Ich trage sie meist, wenn es regnet, denn die Gummisohle schützt mich vor dem Wasser.

Häufig entsteht dann allerdings eine Situation, wie ich sie bisher von all meinen Japan-Aufenthalten kenne: Ich habe gerade die Schuhe angezogen als mir einfällt, dass ich etwas in der Wohnung vergessen habe. Weil ich zu faul bin, beide Schuhe wieder aus- und anzuziehen, entscheide ich mich entweder dafür, den Aufwand zu halbieren und hüpfe auf einem bestrumpften Fuß zurück in die Wohnung und behalte den anderen Schuh an. Oder ich ziehe keinen wieder aus und robbe auf Knien zurück in mein Zimmer, um den vergessenen Gegenstand zu holen. Währenddessen muss ich mich sehr darauf konzentrieren, auf keinen Fall mit den Schuhen den Boden zu berühren.

Beide Verhaltensweisen sind lächerlich und ich schneide währenddessen Grimassen, mit denen ich mich selbst verspotte.