2017年10月5日 – 写真 – shashin – Fotos

Seit 2014 möchte ich das Tokyo Photographic Art Museum besuchen, doch es war auch die darauffolgenden Jahre immer noch wegen Umbauarbeiten geschlossen. Ich wollte dort mehr erfahren über den japanischen Alltag – doch als das Museum letzten Oktober endlich wieder eröffnete, wurde nichts davon gezeigt und es wäre sicherlich sehr voll gewesen, so dass ich mich seinerzeit dagegen entschied.

Gleich drei Ausstellungen erwarten mich heute. Japanese Expanded Cinema Revisited ist leider total uninteressant, doch unter dem Titel And a Pinch of Irony with a Hint of Love sind wunderbare Fotos von Nagashima Yurie zu sehen. Am besten gefallen mir ihre nackten Familienselbstporträts, die gleich zu Beginn hängen. Und es gibt eine Menge Bilder, wie sie vermutlich in Schubladen und Kisten der meisten von uns verstreut liegen: Schnappschüsse mit Menschen darauf, auf irgendwelchen Plätzen, in den unterschiedlichsten Wohnungen und Stimmungen, nicht immer darauf bedacht, sich gesellschaftlich anzupassen. Alltag aus einer höchstens 20 Jahre alten Vergangenheit – also genau, was ich wollte.

Mit Scrolling Through Heisei Part 3: Synchronicity wird es sogar noch besser. Zur Erläuterung: Die Heisei-Zeit hat 1990 begonnen, als Akihito zum Kaiser ausgerufen wurde. Sie geht also wohl bald zu Ende, da Akihito letztes Jahr im August indirekt darum gebeten hat, abdanken zu dürfen – was sehr ungewöhnlich ist, denn das ist gesetzlich gar nicht vorgesehen. Ich stand zufällig in Shinjuku vor dem Monitor des Studio-Alta-Gebäudes, als die Ansprache des Kaisers live übertragen wurde.

Nun blicke ich Dank der Exponate vieler verschiedener Fotografen und Fotografinnen auf ganz unterschiedliche Weisen zurück auf mehr als 35 Jahre. Besonders angetan hat es mir Asaki Yokos Serie Sight. Hier sind Menschen zu sehen, die völlig versunken Filme schauen und dadurch zum Teil geradezu schroff und abweisend wirken. Wir erfahren nicht nur, was sie sehen, sondern auch in welcher Stadt sie dies tun, und ich entdecke einen Typen, der ein Sterni in der Hand hält – Berlin.

Völlig fasziniert bin ich von Sawada Tomokos Serie School Days. Eine Reihe von Klassenfotos, die für mich schon deshalb befremdlich wirken, weil alle Mädchen Uniformen tragen und sich zu gleichen scheinen. So fällt mir erst nach einer Weile auf, dass all die Mädchen auf all den Fotos tatsächlich nur eines sind, nämlich die Fotografin selbst. Ich habe keine Ahnung, wie die Klassenfotos entstanden sind und stelle mir vor, dass sie nicht einfach nur ihr Gesicht in bereits bestehende Bilder montierte, sondern tatsächlich für jedes einzelne Mädchen posierte. Sawada hat sich schließlich auch für Masquerade mit unterschiedlichen Frisuren und Make-ups als viele verschiedene Hostessen inszeniert.

Ich lerne in der Ausstellung viel über meinen Zwang, beim Fotografieren alle Linien horizontal und vertikal auszurichten. Denn hier gibt es so viele Bilder, auf denen das nicht der Fall ist. Kann ich mich in Zukunft davon befreien oder muss ich mich weiterhin anstrengen, das Telefon sehr gerade zu halten und zur Not eine App bemühen, welche unmerklich die Perspektive gerade rückt?

 
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