2014年10月24日*

Als ich morgens aufstehe, scheint zum Glück die Sonne. Trotzdem ist heute ein schlimmer Tag: ich weine beim Frühstücken, ich weine beim Duschen und ich weine beim Anziehen. In diesem Zustand das Haus zu verlassen, ist ziemlich anstrengend und mein Kopf fühlt sich vergrippt an.

In der Yamonate-Line muss ich schon wieder weinen. Ich versuche, dabei das Gesicht nicht zu verziehen, tupfe stoisch die Tränen fort und tue möglichst unbeteiligt. Mir ist außerdem total schlecht.

Ich weine nicht, weil ich aus Tokio fort muss. Das ist zwar traurig, aber das kann ich ertragen und spornt mich an, Pläne für eine Zukunft hier zu schmieden. Ich weine, weil ich bereits kurz nach meiner Ankunft hier gemerkt habe, in welch schädlichem Ausmaß mir jener Alltag in Berlin zusetzt, den ich mir seit Monaten schönrede. In den letzten drei wundervollen Wochen habe ich es vermieden, darüber nachzudenken. Nun aber ist es Zeit, mich mit dem Verdrängten auseinandersetzen und das macht mir große Angst.

Um mich wieder zu beruhigen und vor allem, um mich von Tokio zu verabschieden, fahre ich mit der Yurikamome-Line ein Mal in jede Richtung. Ich finde keine Worte für jenes überwältigende Gefühl, das diese Fahrt bei mir auslöst.

*

Als ich später wieder in der Bahn in Richtung Shinjuku sitze, trage ich einen Mundschutz. Damit weint es sich nämlich nur halb so unangenehm in der Öffentlichkeit.

2014年10月8日*

Gundam

Odaiba

Odaiba

Odaiba

Odaiba

Riesenrad Odaib

Der Ort in Tokio, den ich am meisten vermisst habe, ist Odaiba, beziehungsweise die Fahrt mit der Yurikamome Line, die dorthin führt.

Schon die Fahrt dorthin ist unglaublich. Es ist, als würde man in einem Vergnügungspark mit einer dieser Bahnen für Rentner fahren, in denen man gemütlich dasitzt und in Ruhe die Dinge um sich herum betrachten kann. In meinem Fall handelt es sich um die Skyline Tokios, um die großzügig verteilten Gebäude in Odaiba, um den Horizont, den Himmel!
An der Haltestelle Odaiba steige ich aus und gehe einfach los. Während gestern die Hochhäuser von Shinjuku ganz dicht beieinander standen, ist es hier nun genau umgekehrt. Ich mache einen langen Spaziergang, auf dem mir wieder einmal so gut wie niemand begegnet. Alles wirkt wie ausgestorben. Am Wochenende ist es vermutlich sehr voll, doch nun erscheinen mir die angelegten Wege und Parks grotesk und erneut fühle ich mich wie der letzte Mensch auf der Welt.“

Dieses Mal ist es anders; als würde ich gemeinsam mit zu vielen Menschen durch eine dunkle Science-Fiction-Stadt im Weltall gefahren. Um mich herum die Hochhäuser, dann das blinkende Riesenrad, daneben das vollständig in Regenbogenfarben erstrahlte Fuji Building. Es ist so toll! Hinzu kommt, dass heute eine 皆既月食 – kaiki gesshoku – totale Mondfinsternis ist. Die untere linke Ecke des Mondes ist bereits verschwunden.

*

Weil ich unterwegs einen Hinweis aus Deutschland bekomme, steige ich in Odaiba-kaihinkoen aus, um mir den riesigen Gundam-Roboter anzusehen. Dort im Park kann ich auch wunderbar die Mondfinsternis betrachten. Kurz bevor der Mond ganz verschwunden ist, schiebt sich eine Wolke davor.

*

Später fahre ich wieder zurück zum Startbahnhof – um mich erneut von der Bahn nach draußen tragen zu lassen. Dieses Mal gelingt es mir, direkt vorne einen Sitzplatz zu bekommen. Ich blicke durchs Frontfenster und kann mich nicht sattsehen.