2014年10月24日*

Als ich morgens aufstehe, scheint zum Glück die Sonne. Trotzdem ist heute ein schlimmer Tag: ich weine beim Frühstücken, ich weine beim Duschen und ich weine beim Anziehen. In diesem Zustand das Haus zu verlassen, ist ziemlich anstrengend und mein Kopf fühlt sich vergrippt an.

In der Yamonate-Line muss ich schon wieder weinen. Ich versuche, dabei das Gesicht nicht zu verziehen, tupfe stoisch die Tränen fort und tue möglichst unbeteiligt. Mir ist außerdem total schlecht.

Ich weine nicht, weil ich aus Tokio fort muss. Das ist zwar traurig, aber das kann ich ertragen und spornt mich an, Pläne für eine Zukunft hier zu schmieden. Ich weine, weil ich bereits kurz nach meiner Ankunft hier gemerkt habe, in welch schädlichem Ausmaß mir jener Alltag in Berlin zusetzt, den ich mir seit Monaten schönrede. In den letzten drei wundervollen Wochen habe ich es vermieden, darüber nachzudenken. Nun aber ist es Zeit, mich mit dem Verdrängten auseinandersetzen und das macht mir große Angst.

Um mich wieder zu beruhigen und vor allem, um mich von Tokio zu verabschieden, fahre ich mit der Yurikamome-Line ein Mal in jede Richtung. Ich finde keine Worte für jenes überwältigende Gefühl, das diese Fahrt bei mir auslöst.

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Als ich später wieder in der Bahn in Richtung Shinjuku sitze, trage ich einen Mundschutz. Damit weint es sich nämlich nur halb so unangenehm in der Öffentlichkeit.